Informationen für Eltern

Liebe Eltern, sicher seid ihr hier weil eurer Kind euch erklärt hat, dass es gerne Hexe werden möchte, sich für Magie interessiert oder ein sonstiges Interesse an Hexenthemen besitzt. Ich gebe zu, dass das im ersten Augenblick ein ziemlicher Schock ist. Auch deshalb weil man ja nicht weiß, was genau eine Hexe ist. Man weiß ja auch nicht, welche Handlungen das Kind als Hexe ausführt. Oder wo man da hineingeraten kann, wenn man sich Hexe nennt.

Ich möchte dich, lieber Vater, liebe Mutter hier ein bisschen über Hexen aufklären. Wie du bestimmt weißt, wurden viele Menschen im Mittelalter verbrannt, weil man sie als Hexen ansah. Als solche bösen Wesen, die Bauern die Kühe verhexen, damit sie keine Milch mehr gaben usw. Auch heute noch hat das Wort "Hexe" oft einen bitteren Nachgeschmack, auch wenn es in der feministischen Bewegung und in naturspirituellen Kreisen wieder vermehrt Nutzung findet.

Was ist eine Hexe heute?

Eine heutige Hexe ist eine Frau oder ein Mann, der/die versucht mit der Natur im Einklang zu leben und die Natur wieder bewusst in sein Leben zu integrieren. Eine Hexe beschäftigt sich meist auch mit esoterischen Dingen und geistigen Übungen, die ihr helfen geistig zu wachsen oder an Weisheit zu gewinnen. Ebenso versucht eine Hexe ein besseres Verhältnis zu sich selbst und ihrem Körper aufzubauen, denn auch der Mensch gehört mit zur Natur. Natürlich gibt es solche und solche Hexen. Leider gibt es immer wieder solche, die sich als Hexe bezeichnen und Komerz machen wollen, indem sie ernsthaft suchenende Menschen in eine psychische Abhängigkeit treiben. Leider ist man nirgends vor dieser Sorte Menschen sicher. Ich bin mir jedoch relativ sicher dir sagen zu können, dass dies eine kleine Minderheit ist und keine repräsentative Gruppe, an deren Beispiel man eine Hexe messen sollte.

Der Glaube

Immer wieder hört man, dass Hexen zum Teufel beten würden und mit ihm ums Lagerfeuer tanzen. Diese Vorstellungen stammen meist noch aus dem Mittelalter und der Inquisitionszeit, als Methoden gesucht wurden, um Menschen bloßzustellen und schlecht zu machen, damit man ihre Hinrichtung rechtfertigen konnte. Eine moderne Hexe ist an keine Religion gebunden. Eine Hexe kann ChristIn sein oder Muslime, sie kann jüdisch werden oder buddhistisch, sie kann eine Hexenreligion annehmen oder zu einem 3-Mensch-Glauben konvertieren, wenn sie das selbst mit sich und ihrem Gewissen  vereinbaren kann. Hexe zu sein ist ein sehr individueller Weg, bei dem man sich eigene Gedanken macht und einen Weg findet, der bestmöglich zu einem selbst passt.

Da viele Teenager gerade in der Pubertät damit beginnen sich ein grobes Bild ihrer Umwelt zu machen, wirkt der Wechsel einer Weltanschauung oder oftmals auch einer Religion oft sehr ansprechend. Dein Kind versucht damit, nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst besser kennenzulernen. Besonders in Zeiten des Umbruchs und großer Umwälzungen, wie in der Pubertät, kann die spirituelle Einkehr sehr hilfreich sein. Das muss auch gar nicht bedeuten, dass dein Kind sich von deiner Religion abwenden wird. Vielleicht will es nur mal erkunden, was es da draußen noch so gibt - und vielleicht möchtest du dein Kind ja auch dabei begleiten?

©2004, Jonathon Earl Bowser
©2004, Jonathon Earl Bowser - jonathonart.com

Die oben genannten Hexenreligionen sind meist heidnische Naturreligionen, die die Natur als heilig betrachten und versuchen eine möglichst liebevolle Verbindung mit ihr aufzubauen. Auch das dualistische Weltbild einer Muttergöttin neben eines Vatergottes findet man hier sehr oft. Es gibt eine große Anzahl solcher heidnischer Religionen, von denen der Großteil sehr aufgeschlossen und progressiv ist und deren Mitglieder bei Fragen gerne dazu bereit sind weitere Auskunft zu geben. Manche dieser Religionen gruppieren sich in Coven, kleiner Arbeitsgruppen, die meist einem Priester oder einer Priesterin unterstehen. Als Minderjähriger darf man dort nur bedingt teilhaben. Natürlich gibt es auch im Heidentum sehr viele Eltern, die nur zu gut verstehen können, dass jemand seine Kindern nicht mit Fremden losziehen lassen möchte. Deshalb werden Eltern hier auch sehr oft in Aufnahmegespräche einbezogen und auch selbst zur Teilnahme eingeladen, um sich ein Bild machen zu können - sofern die Anwesenheit Minderjähriger überhaupt gestattet ist.

Feste und Rituale

In den Hexenreligionen werden Feste gefeiert, die man Sabbat oder Esbatfeste nennt. Diese Feste werden aber auch gerne von den Hexen gefeiert, die nicht irgendeiner Hexenreligion angehören - einfach deshalb, weil sie besondere Tage im Jahreskreis sind, an denen man die Nähe zur Natur besonders spüren kann. Das sind zum Beispiel die Tagundnachtgleichen, die Sonnwendfeste oder agrikulturell wichtige Tage. Wie genau eine Hexe oder eine Gruppe von Hexen ihre Feste feiert, das ist unterschiedlich. Wenn dein Kind eine solche Feier veranstalten möchte oder an der Feier mit anderen Menschen teilnehmen möchte, gibt es sicher eine Möglichkeit für dich daran teilzuhaben oder mit einem Verantwortlichen der Gruppe zu sprechen, um deine Zweifel zu äußern. Da für die Besucher einer Gruppenfeier meistens gewisse Regeln gelten, über die man sich vorher informieren sollte (sowie persönliche Bedürftnisse und Befindlichkeiten/ Unverträglichkeiten von Essen, etc), wir dies von vielen Gruppen sehr willkommen geheißen.

Die Anwesenheit von Minderjährigen ohne eine Aufsichtsperson wird wie gesagt von den meisten Hexencoven nicht oder nur bedingt in Betracht gezogen. Eine ausreichende Absprache mit den Verantwortlichen kann hierbei viele Fragen beantworten und dir dabei helfen, den Wunsch deines Kindes dort mitzufeiern besser zu verstehen. Für dein Kind ist die Teilnahme an einem solchen Fest sehr wahrscheinlich auch neu, und dein Kind wird ebenso Zweifel und Bedenken haben, die ihr am besten miteinander besprecht. Vielleicht entschließt ihr euch ja auch dazu gemeinsam am Fest teilzunehmen oder die Menschen der Gruppe bei einem Vorabtreffen einmal kennen zu lernen.

Das "Outing"

Schon allein die Tatsache, dass dein Kind zu dir kam und dir gesagt hat dass es eine Hexe ist (oder werden möchte), ist ein großer Vertrauensbeweis. Viele Eltern sehen dieses "sich outen" als eine Strafe an, als eine Demütigung. Aber für das Kind ist es sehr schwierig, zu seinen Eltern zu gehen und ihnen zu erzählen, dass es etwas tun will, dass nicht üblich ist. Oder dass sein Weg ein anderer ist als der der Eltern.

Du hast vielleicht auch durch ein Buch im Zimmer deines Kindes herausgefunden, wofür es sich interessiert. Vielleicht hat es gerade damit begonnen sich einzulesen. Vielleicht schnuppert es nur mal in die Materie und ist noch gar nicht so weit um zu sagen: "Das will ich machen." Wenn du kannst, dann schlag das Buch doch einfach mal auf und schau nach, was darin steht. Sicher klären sich hier schon viele deiner Fragen. Die ein oder andere Lektüre von Hexenbüchern kann auch dir interessant erscheinen, vielleicht schmökert ihr einmal gemeinsam ein bisschen in die Hexenliteratur und schaut, was es da alles so gibt. So könnt ihr eure gegenseitigen Fragen und Bedenken äußern und sicherstellen, dass das Kind nicht in zwielichtige Kreise und Praktiken gerät.


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