Reinkarnation

Im Heidentum gibt es die Vorstellung, dass der Tod nichts immerwährendes ist und wir nach einem Leben durch Wiedergeburt in immer neue Leben eintreten.

Der Glaube an die Reinkarnation ist so alt wie die Welt, obwohl er heute als etwas völlig neues wahrgenommen wird. Heute ist dieser Glaube so fremd, weil die monotheistischen großen Weltreligionen meist an ein Ende im Tod glauben. Die monotheistischen Weltreligionen sind Jenseitszentrierte Religionen. Die Gläubigen glauben dort an einen Himmel oder ein Jenseits, in dem alles besser wird. Das weltliche Leiden wird dort abgestreift und der Mensch kann nach einem Leben voller Qualen in eine Unendlichkeit ohne Leid eingehen. Das Jenseits gilt als Belohnung, die man sich durch das Leben erarbeitet hat und alle weltlichen Qualen rechtfertigt.

Das Heidentum und die polytheistischen Weltreligionen sind dagegen diesseitszentrierte Religionen. Nicht das Jenseits und der Tod gelten als Belohnung, sondern das Dasein auf der Erde, das Leben. Das Jetzt ist der Ort, den man sich erarbeitet hat. Im Hinduismus erhält man beispielsweise das Leben, das einem nach den Taten, die man im letzten Leben getan hat, zusteht. Im Buddhismus erhält man durch das Leben die Chance sich von allen Leiden zu befreien, alle prüfungen zu meistern und irgendwann die Erleuchtung zu erreichen. In den meisten heidnischen Religionen ist das ähnlich. Viele heidnische Religionen sind davon überzeugt, dass wir Menschen auf der Welt sind, um bestimmte Dinge zu lernen. Durch jede Inkarnation erhält man weitere Fertigkeiten. Jedes Problem, jeder Stolperstein, dem man im Leben begegnet, ist keine Strafe, sondern eine Chance sich zu befreien, das eigene Verhalten zu verändern und über sich hinaus zu wachsen.

weite Sicht


Reinkarnation am Beispiel der Natur

Bei vielen Naturvölkern der Welt findet man ebenso den Glauben an die Reinkarnation. In der Natur kann man viele Prozesse beobachten, die uns Hinweise darauf geben, dass kein Tod für immer sein muss. Auch die Sonne geht jeden Tag unter und "stirbt", aber sie kommt am nächsten Morgen wieder. Wenn ein Baum stribt, dann bietet er einem Lebensraum für viele andere Lebewesen - Pilze, Moose, Bakterien und Käfer. Der Baum als solches ist dann nicht mehr greifbar oder existent, aber er verändert seine Form und erzeugt anderes Leben. Irgendwann wird er wieder zum Erdboden und daraus geht vielleicht ein neuer Baum hervor. Ebenso leben natürlich auch all seine Kinder weiter und erhalten seine Gene.

Am Beispiel von Molekülen können wir auch sehr gut erkennen, dass der Tod nichts ganz auslöscht. Die Moleküle der Dinosaurier sind noch immer da. Sie haben mit der zeit andere Formen und Leben gebildet, sind aber nicht ganz verloren worden. Auch nach dem Tod existiert der Körper eines Menschen weiter und verändert seine Form. Er wird zu einem Teil der Erde, der Luft, der Natur.

Trauern und Abschied nehmen

Das Erschütterndste an einem Todesfall ist immer, dass wir glauben einen Menschen für immer zu verlieren. In der westlichen Welt sehen wir die Geistwelt als etwas von uns getrenntes an - kein Kontakt ist möglich und deshalb wirkt ein Tod für uns so drastisch. Ganzheitlich gesehen ist das aber kein gesunder Umgang mit dem Tod. Indem wir den Tod zu etwas so endgültigem machen, wächst natürlich auch unsere eigene Angst vor dem Tod. Wir wollen mit dieser Wahrheit nicht konfrontiert werden, wir wollen auch mit dem Tod nicht konfrontiert werden und verbannen ihn aus unserer Welt. Auch das Altern wird schon als etwas ungewolltes angesehen - jeder will jung sein, will mit dem Tod um eine Lebensverlängerung spielen. Es fängt sogar schon damit an, dass wir uns nicht mehr damit konfrontieren wollen, dass unser Schnitzel eigentlich ein totes Tier ist und auch einmal gelebt hat. Es ist nicht gesund, den Tod zu verleugnen und auf lange Sicht führt das nur zu Schmerzen. Denn früher oder später wird jemand aus unserem Freundes und Bekanntenkreis sterben und natürlich auch wir selbst. Es ist heilsam, sich deshalb mit dem Tod ein wenig auseinanderzusetzen und über das danach nachzudenken.

Es gibt viele Völker und Religionen, die ihre Ahnen verehren und huldigen. Wenn jemand aus der Familie stirbt, wir er in den Kreis der Ahnen aufgenommen und gemeinsam mit Gottheiten verehrt oder zu speziellen Anlässen eingeladen. Diese Wertschätzung der Ahnen kann uns dabei helfen, den Tod als etwas Unausweichliches zu akzeptieren und den Gedanken an unsere lieben Verstorbenen in unseren Alltag zu übernehmen. Die Person nicht einfach zu vergessen und zu lernen die Erinnerung zu verdängen, sondern sie liebevoll für ihr Vermächtnis in Gedanken zu behalten. Egal, ob man an ein Jenseits oder an eine Reinkarnation glaubt, man kann auch weiterhin mit den Verstorbenen sprechen. Ob diese Person nun an der Seite von Gott sitzt, oder bereits in ein anderes Dasein übergegangen ist, sie wird spüren, dass jemand sich an sie erinnert und ihr liebevolle Gedanken entgegenbringt.


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