Wicca

Wicca ist eine Hexenreligion, die um 1950 von Gerald Gardner gegründet wurde. Dadurch, dass Wicca viel diskutiert wurde und die Übersetzung des Begriffs nur teilweise in andere Sprachen übersetzt wurde, gibt es heute sehr viele verschiedene Ansichten dessen, was Wicca ist - die sich zumeist auch von Land zu Land unterscheiden.

Leider werden viele englische Hexenbücher gerne falsch ins deutsche übersetzt. Wicca wird dort oftmals gleichbedeutend mit Witchcraft (= weitgreifend Hexentum) verwendet, was aber nicht das selbe ist. Witchcraft oder Hexentum, bezeichnet ein Handwerk (die Handhabung von Magie). Wicca bezeichnet ein Glaubensgerüst, unter dem man dieses Hexenhandwerk ausführen kann, aber nicht muss.

Steingebäude
Traditionelle Linie

Im deutschsprachigen Raum gilt Wicca allgemein als eine heidnische Religion, deren Anhänger acht Sabbatfeste feiern und eine Göttin und einen Gott verehren. Als traditionelles Wicca bezeichnet man Menschen, die von einer Hohepriesterin oder einem Hohepriester in einen Coven mit traditioneller Linie initiiert wurden, die ihre Religion als direkt per Stammbaum auf Gerald Gardner zurückführen können (es gibt noch weitere Stammbaum Linien, die sich von dieser abgespalten haben, aber durchaus als traditionell anerkannt sind). Die Mitgliedschaft in einem Coven ist eine Grundvoraussetzung für traditionelles Wicca, da dieser Coven die Religiongemeinschaft darstellt. Eine Initiation ist im traditionellen Wicca der Beweis dafür, dass man Mitglied eines solchen Coven ist oder war. Durch die Initiation erhält man Zugang zur Wicca Religion und erlernt ihre Glaubensinhalte.

Wicca ist eine heidnische Naturreligion, das heißt, dass es wie auch im übrigen Heidentum keine Gotteshäuser gibt, sondern die Rituale so viel wie möglich in der Natur abgehalten werden. Generell ist es üblich einen Schutzkreis aufzubauen in dessen Zentrum ein Arbeitstisch oder Altar mit den wichtigsten Utensilien aufgebaut ist, wie das aber gemacht wird, unterscheidet sich von Tradition zu Tradition.

In solchen Ritualen werden also Glaubenshandlungen vollzogen, die Wandlung der Götter wird gefeiert, der Lauf der Natur oder das gemeinsame Zusammenkommen mit den anderen Mitgliedern des Covens. Es ist nicht selten, dass in diesen Ritualen auch Zauber und Magie gewoben werden, in erster Linie dient das Ritual aber dem Ausleben des Wicca Glaubens. Man kann sich dies wie einen Gottesdienst vorstellen, in dem die Priesterin und der Priester eine Art Messe für die Covenmitglieder halten. 

Wicca werden

Wer dem traditionellen Wicca angehören möchte, sucht meist nach einem Coven in seiner Nähe und bittet um Aufnahme. Ein Coven ist eine Gruppe von 3 bis zu 13 Hexen, die unter einem gemeinsamen Glaubensgerüst arbeiten - hier eben Wicca. Coven gibt es nicht nur im Wicca - auch andere heidnische Gruppen schließen sich zu Coven zusammen. Das Glaubensgerüst nennt man meist Tradition, die auf einen Gründer/in zurückgeht und sich aber auch in ihrer Struktur weiterentwickelt. Ein Coven wird normalerweise von einem Hohepriesterpaar geleitet, die in dieser Tradition ausgebildet wurden und sie an die anderen Covenmitglieder weitergeben. Die meisten Coven nutzen ein Gradsystem, um den persönlichen Fortschritt zu markieren. Im traditionellen Wicca sind dies normalerweise 3 Grade, der Initiand, der PriesterIn und HohepriesterIn. Um Mitglied in einem solchen Coven zu werden, muss man sich nach einer gewissen Zeitspanne, in der man den Coven kennen lernen konnte, initiieren lassen. Die Initiation ist die Aufnahme in die Wicca-Religion als auch den Coven mit der man sich dazu verpflichtet gewisse Aufgaben im Coven zu übernehmen und sich an gewisse Glaubnsregeln zu halten.

Trennlinie
Geheimhaltung

Viele Coven verlangen bei der Initiation einen Schwur auf Geheimhaltung, der das Wissen des Coven vor Publizierung schützen soll, damit nur solche dieses Wissen erhalten, die auch damit umgehen können und jemanden haben, an den sie sich wenden können. Außerdem stellt dieser Schwur sicher, dass die persönlichen Geheimnisse der Mitglieder eines Covens auch sicher bleiben. Wenn ein initiierter Wicca etwas nach außen hin, also nicht erzählen darf, nennt man dies meistens "oathbound" - etwas kann nicht gesagt werden, da es eine Privatangelegenheit des Covens ist. Meist handelt es sich dabei wie gesagt um persönliche Dinge von Covenmitgliedern, und nicht um "geheimes Wissen" wie vielen Coven gerne vorgeworfen wird. Da Wicca, wie auch viele andere heidnische Religionen eine Mysterientradition ist, geht man davon aus, dass Wisen nur durch Erfahrung der Mysterien erlangt wird. Deshalb werden viele Lehren nicht "vorgekaut", sondern Mitglieder müssen sie selbst erarbeiten und erfahren, um sie zu begreifen. Aus diesem Grund muss man bei einer Initiation auch oft Schwüre darauf leisten, dass man einem Coven voll und ganz vertraut. Es kann natürlich sehr gut vorkommen, dass eine PriesterIn psychologische Techniken verwendet, den Initianden in ungenehme Situationen führt usw. damit dieser erfahren und lernen kann sich selbst zu befreien, den Beistand einer Gottheit zu begreifen usw. Das ist auch in anderen Religionen durchaus so üblich.

Gerald Gardner hat die Überzeugungen und Lehren seiner Hexenreligion bereits weitgehend publiziert. Wer sich für Wicca interessiert, kann also direkt bei Gardner nachlesen, ob diese Religion für ihn/sie das Richtige ist. Große Teile dieser Schriften sind auch direkt im Internet auffindbar, beispielsweise auf sacred-texts.com.


Vorherige Seite: Reinkarnation
Nächste Seite: Book of Shadows